Meine Eltern gaben mir den Namen Vergine – ein altarmenischer Name. Die meisten nennen mich Gini.
Was du hier liest, ist kein Lebenslauf. Es ist der Versuch, ehrlich zu beschreiben, wie jemand zu der wird, die sie ist – durch Interessen, die seit der Kindheit bestehen, durch Erfahrungen, die prägten, und Fehler, die zu Erkenntnissen führten. Nicht linear, nicht vollständig – aber ehrlich.

Die Philosophin, die schon immer da war
Während andere Kinder mit vorgefertigten Spielen spielten, erfand ich meine eigenen: Brettspiele mit selbstgebastelten Ereigniskarten, Spielbrett aus Schuhkartons und komplett eigenen Regeln. Das Bestehende war für mich schon immer uninteressant – was mich faszinierte, war das, was es noch nicht gab oder was nicht mit den Sinnen erfassbar war.
Mit sieben Jahren stellte ich mir Fragen, die nicht mal Erwachsene hätten beantworten können: Warum können die meisten Menschen nicht glücklich sein? Was sind Gedanken überhaupt – und haben sie einen Einfluss auf mein Umfeld? Mein erstes selbst ausgewähltes Buch aus der Bibliothek handelte vom Universum. Mit acht konnte ich alle Planeten in der richtigen Reihenfolge aufsagen.
Ich war schon immer Philosophin. Ich bin nicht zur Philosophie gekommen – sie war einfach schon da.
Die große Orientierungsphase (oder: Wie ich fast normal geworden wäre)
Zwischen Pubertät und 22 passierte das, was vielen passiert: Ich versuchte, mich an Gesellschaft und Erwartungen anzupassen statt an mich selbst. Ich dachte, ich müsse mich verbiegen, um dazuzugehören, um gemocht zu werden, um Teil der Gesellschaft zu sein.
Nach der kaufmännischen Ausbildung kam die erste eigene Wohnung. Jahrelang bewusst Single, um mich besser kennezulernen. Und in dieser selbstgewählten Einsamkeit kehrten sie zurück – die großen Fragen, diesmal noch größer: Wer bin ich eigentlich? Was mache ich hier? Was will ich hinterlassen?
Ich tauchte ein in Bücher, Gespräche, endlose Reflexionen über das Leben und Menschsein. Dort begann meine echte Bildung – nicht in irgendeinem Hörsaal, sondern aus brennendem, existenziellem Interesse heraus.
Mein politisches Erwachen

Während der Corona-Pandemie verstärkte sich das noch: Ich sah meine Freiheit bedroht – und Freiheit war mir bis dahin das Wichtigste im Leben. Aber noch mehr fiel mir auf, wie schnell Narrative entstehen, wie selten Menschen wirklich miteinander reden – und wie sehr wir verurteilen, statt zu verstehen. Beide Seiten. Immer.
Politische Probleme sind real – aber der Punkt, an dem wir ansetzen können, ist die Kommunikation. Denn solange wir nicht mehr miteinander reden, um uns zu verstehen, sondern um zu gewinnen, werden wir keine politischen Probleme lösen – egal wie gut unsere Argumente sind.
Ich begann, authentischer zu werden. Traf Menschen, die ich interessant fand, auch wenn sie nicht ins Schema passten.
Begegnung
Dann lernte ich meinen Mann kennen – auf einem politisch aktivistischen Festival, am Lagerfeuer. Unsere Blicke trafen sich und ich wusste sofort: Das ist ein besonderer Mensch.
Er war das, was ich innerlich schon lange suchte – Authentizität und Autonomie in einer Person. Jemand, der mir nicht das Gefühl gab, in Besitz genommen zu werden, sondern in einer echten Partnerschaft zu leben. Wäre ich damals nicht schon auf diesem Weg zur Authentizität gewesen, hätte ich ihn vielleicht gar nicht gesehen.
So wurden wir schnell Eltern – weil es einfach stimmig war.
Die Wende: Mutterschaft
Dann wurde ich Mutter – und plötzlich stand ich nicht mehr im Mittelpunkt meines eigenen Lebens. Es war, als hätte ich eine völlig neue Perspektive eingenommen. Nicht nur auf die Welt, sondern auf mich selbst.
Ich begann, meine Kindheit zu reflektieren, meine Prägungen, die Glaubenssätze, die ich nie bewusst gewählt hatte. Ich sah, wie sehr ich mich selbst beschränkte – nicht durch äußere Umstände, sondern durch eigene Gedanken, die ich für Wahrheiten gehalten hatte. Meine Tochter war wie ein Spiegel: In ihr sah ich, was ich weitergeben würde – ob ich wollte oder nicht.
Das war der Moment der Entscheidung. Nicht aus Pflicht, sondern aus tiefer Überzeugung: Ich wollte keine Mutter sein, die ihren Lebenssinn im Kind sucht. Ich wollte eine Mutter sein, die authentisch lebt – damit meine Tochter sieht, dass es möglich ist. Dass man sich nicht verbiegen muss, um dazuzugehören. Dass der eigene Weg nicht nur erlaubt ist, sondern der einzig richtige.
Schluss mit Kompromissen. Es war Zeit, das rauszulassen, was schon so lange in mir wartete.
Die Lücke, die der Dialogische Perspektivismus füllt
Echter philosophischer Hunger entsteht nicht im Hörsaal, sondern aus existenziellen Fragen.
Ich habe keinen akademischen Hintergrund in Philosophie – und das ist kein Manko, sondern ein Merkmal. Ich bin frei von Denkschablonen und kann verbinden, was in verschiedenen Disziplinen getrennt behandelt wird: Philosophie, Psychologie, Gesellschaft, Theologie. Ich schreibe nicht für Prüfungskommissionen. Ich schreibe für Menschen mit echten Fragen.
Irgendwann stellte ich mir die Frage, die mich seither nicht loslässt: Welcher Version der Welt soll ich glauben? Also machte ich mich auf die Suche – und fand Denker, die meine Intuition untermauerten und schärften: Nietzsche, Hannah Arendt, Gadamer, Habermas. Was ich dabei erkannte: Keiner von ihnen hat das vollzogen, was mir vorschwebte. Nietzsche beschreibt, dass Erkenntnis immer perspektivisch ist – aber er entwickelt daraus keine Methode für den Dialog zwischen Menschen. Gadamer zielt auf Verständigung, lehnt aber jede Methodisierung ab. Habermas will Konsens, wo ich Verständigung meine.
Ich hatte die Philosophie nicht gefunden. Ich hatte Sprache für das gefunden, was ich schon dachte – und gleichzeitig die Lücke erkannt, in die mein eigenes Konzept passt: der Dialogische Perspektivismus.
Wofür ich stehe
Ich bin Wahrheitssuchende – ohne den Anspruch, die Wahrheit je gefunden zu haben oder finden zu können. Für mich sind die Perspektiven auf ein Geschehen wichtiger als jedes Narrativ.
Der Dialogische Perspektivismus ist das Konzept, das ich dafür entwickelt habe – nicht aus Büchern abgeleitet, sondern aus dem Leben heraus. Es verbindet die philosophische Einsicht, dass Erkenntnis immer perspektivisch ist, mit einer praktischen Methode für den Dialog: nicht um den anderen zu überzeugen, sondern um zu verstehen, warum er so sieht wie er sieht.
Ich ordne mich nicht ein. Nicht rechts, nicht links. Weil ich in beiden Lagern dieselben Muster erkenne: dieselbe Kommunikationslosigkeit, dieselbe fehlende Empathie, dieselbe Angst vor der anderen Perspektive.
perspectio ist der Raum, in dem dieser Ansatz lebt.
Du denkst anders? Hast etwas zu erzählen?
Ich sammle Perspektiven und Geschichten, die es wert sind, gehört zu werden. Schreib mir.

